Ostern einmal anders

Selbstgemalte Ostereier von Jonathan Haker

Frohe Ostern, frohe Ostern
Frohe Ostern, überall.
In der Nähe, in der Ferne
Auf dem ganzen Erdenball.

Frohe Ostern, frohe Ostern
Frohe Ostern wünschen wir
Ringsherum erwacht das Leben
Alle Pflanzen, Mensch und Tier.

Wärmer wird der Sonnenschein mit jedem Morgen
Und die Nächte werden kürzer Tag für Tag.

Die Natur erwacht und hell sind die Gedanken
Und vergessen ist die Winterdunkelheit.

Frohe Ostern!

Rolf Zuckowski

„Papa, was machst Du da?“, fragt der siebenjährige Jonathan.

Völlig überrascht von dieser einfachen Frage stehe ich auf der Klappleiter mit einem Pinsel in der Hand und frage mich plötzlich auch, was ich gerade mache und vor allem, was das Leben mit uns
macht in diesen seltsamen Tagen.

In sechs Tagen ist Ostern – endlich Ostern, denke ich – das für uns Christen so wichtige Fest der Auferstehung unseres Heilands. Gerade habe ich für eine Woche Urlaub, meine Frau und Jonathan sind zuhause. Wir alle wissen warum – und trotz allem, ich staune darüber, machen wir drei uns ein schönes Leben.

Ich habe gelesen, man solle nicht über das ganze Ausmaß nachdenken. Uns Menschen wird geholfen werden, das glaube ich als Christ. Glaube heißt Vertrauen!

Was sage ich nun hier auf der Klappleiter meinem Sohn – was wir hier machen? Der kleine Junge darf nicht einmal seine Großmutti sehen, ganz zu schweigen von seinen Freunden. Die Eltern sprechen ab und zu etwas besorgt von der Arbeit und dem Einkaufen und dass es erstmal nicht an die Ostsee geht. Immer wird gesagt: Abstandhalten und Hände gründlich waschen! Aber
immer sind Mama und Papa fröhlich und Jonathan ist es auch!

Er schreibt Briefe an die Großmutti und die Tanten und Onkels. Wenn Papa von seiner Arbeit nachmittags nach Hause kommt, spielen sie im Garten Fußball. Mit Mama macht Jonathan seine Hausaufgaben und irgendwie ist es für Jonathan auch eine spannende Zeit.

Auf der Leiter merke ich, dass ich Jonathan etwas mehr sagen muss. Einfach immer das normale Leben vorgaukeln, das geht nicht. Der kleine Jonathan ist pfiffig und wird vieles einordnen können. Langsam steige ich von der Leiter und setze mich zu meinem Sohn auf die Couch.

Dann nehme ich seine Hände, lächele ihn an und spreche leise und voller Liebe: „Weißt Du, Jona, was am nächsten Sonntag sein wird?“

Jonathan lächelt auch: „Na klar, da kommt der Osterhase!“

Mama kommt herein, setzt sich zu uns und sagt: „Richtig, und wir werden dieses Jahr etwas andere Ostern haben.“

Jonathan boxt uns in die Seiten und lacht: „Das weiß ich doch schon alles!“

Tiefsinnig schaue ich zur Decke: „Wir möchten Dir etwas von Ostern erzählen. Du kennst ja den lieben Gott und Jesus. Dieser Gott, der unsere Welt erschaffen hat, schickte seinen Sohn Jesus vor langer Zeit auf die Erde zu den Menschen.“

Mama ergänzt überzeugt: „Das tat er, weil er jeden Einzelnen von uns unendlich lieb hat.“

Der kleine Junge schaut verwundert und sagt: „Aber wie kann denn Gott seinen Sohn wegschicken um den Menschen zu helfen?“

Voller Kraft sage ich: „Am besten, wir erzählen Dir die ganze Geschichte, die sich vor 2.000 Jahren zugetragen hat.“

„Ja, erzählt!“, freut sich Jonathan.

Ich fahre fort: „An Palmsonntag ritt Jesus auf einem Esel nach Jerusalem. Denn dort gibt es ein besonderes Fest für die Juden. Die Leute hatten davon gehört, dass er schon vielen armen und kranken Menschen geholfen und Wunder bewirkt hatte. Deshalb sahen sie ihn als ihren Retter an. Den Stadtoberhäuptern machte es Angst, dass ihr Volk Jesus wie einen König feierte. Deshalb wollten sie Jesus umbringen.“

Jonathan schaut traurig: „Was, sie wollten Jesus umbringen?“

Mama streichelt ihm über sein Haar: „Am Gründonnerstag feierte Jesus zusammen mit seinen 12 Jüngern das Abendmahl. Während des Essens zerbrach er das Brot, um es mit ihnen zu teilen. Ebenso teilte er den Wein mit ihnen. Aber Jesus ahnte voraus, dass ihn jemand an die Stadtoberhäupter verraten würde. Jesus wurde festgenommen.“

„Kam er ins Gefängnis?“, fragt mein Sohn.

Leise spreche ich: „Das war früher anders. Am frühen Morgen des Karfreitags wurde Jesus zum Tode am Kreuz verurteilt. Die Soldaten flochten ihm aus stechenden Dornenzweigen eine Krone, die er tragen musste. Danach bat ein Freund von Jesus mit dem Namen Josef darum, den toten Jesus mitnehmen zu können. Er wickelte Jesus in ein Leinentuch und legte ihn in ein Grab. Um das Grab zu verschließen, rollte er einen schweren Stein vor die Höhle, in der das Grab war.“

„Jetzt wird es spannend“, ruft der aufgeregte Jona.

Mama spricht weiter: „An Ostersonntag kamen einige Frauen zum Grabe Jesu, um ihn mit duftenden Ölen einzureiben, so wie es damals üblich war. Aber sie erschraken: Der schwere Stein, den Josef vor die Höhle gerollt hatte, war zur Seite gerollt. Jesus lag nicht mehr in dem Grab. Dort saß nur ein Engel, der den Frauen sagte, dass Jesus nicht mehr tot sei, sondern dass Gott Jesus wieder lebendig gemacht hat. Jesus aber war tatsächlich wieder lebendig. Er begegnete Maria Magdalena, die aufgeregt zu den Jüngern lief und rief „Jesus lebt wieder!“. Aber die Jünger glaubten ihr nicht.“

Jonathan schaut erstaunt nach dieser langen Geschichte. Er überlegt, was es zu bedeuten hat. Ein Mann wird gekreuzigt und ist wieder lebendig und alle Menschen glauben an ihn. Dann ist er ja ein Superheld – so wie Zorro oder Superman.

„Ist Jesus denn ein Superman?“, quillt es aus dem Kleinen heraus.

Mama lacht und antwortet: „Na klar, Jona, der Jesus ist bestimmt so cool wie Deine Superhelden. Er hat damit die ganze Welt gerettet!“

„Was wurde mit Jesus und wo ging er dann hin?“, fragt Jonathan.

Wieder berichte ich von dieser unglaublichen Geschichte: „Traurig über den Tod von Jesus machten sich zwei von den Jüngern an Ostermontag auf den Weg in das Dorf Emmaus. Während sie sich unterhielten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen. Zunächst erkannten sie ihn nicht und hielten ihn für einen Fremden. Erst beim gemeinsamen Essen, als Jesus das Brot teilte, erkannten sie, dass der Fremde Jesus ist. Aufgeregt eilten sie nach Jerusalem zurück, um allen zu erzählen, dass Jesus wieder lebte. Danach hat Jesus die Erde verlassen und ist zurück zu Gott, seinem Vater, in den Himmel gekommen. Doch das ist eine andere Geschichte, die die Christen an einem anderen Tag feiern. Christi Himmelfahrt. Das Fest findet 39 Tage nach dem Ostersonntag statt.“

Jonathan lacht und fuchtelt mit seinen Armen, so als wenn er mit einem Säbel gegen die anderen kämpft – das macht er besonders gern – so wie Zorro oder ein Ritter fechten: „Papa, das ist eine coole Geschichte.“

„Jona, das ist die Geschichte unserer Welt“, antworten Mama und ich zugleich.

Und Mama sagt fast feierlich: „Dieses Osterfest gibt uns nicht nur Hoffnung, sondern die Sicherheit, dass für uns Menschen alles gut ausgehen wird. Vieles auf unserer Welt ist manchmal nicht zu verstehen, doch über und unter uns, und auch vor, hinter und neben uns ist der liebe Gott, der uns hilft!“

Später am Abend, als das Wohnzimmer fertig gestrichen ist und wir drei alles wieder einräumen, reden wir über die nächsten Tage. Wir wollen noch Osterbriefe schreiben mit Malereien von Jonathan. Und vor allem Forellen kaufen, um diese am Karfreitag zu essen.

Wir sind voller Tatendrang und freuen uns – trotz dieser etwas anderen Ostern – unseres Lebens.

Jonathan, Nicolle und Hartmut Haker

Ostern 2020

 

Hartmut Haker ist ein Autor mit Wohnsitz in Ratzeburg.
Er schreibt Bücher und macht Lesungen zum Thema „psychische Erkrankungen“

 

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