ThuLPE Ausgabe 21 – Stigmatisierung

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Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

was bedeutet eigentlich Stigmatisierung? Der Begriff „Stigma“ entstammt der altgriechischen Sprache und hat die Bedeutung eines Mal, bzw. Zeichen. Um eine klare Abgrenzung zu anderen Gruppen und Individuen in der Gesellschaft zu erreichen, wurden zu jeder Zeit bestimmte Menschen, wie z.B. Sklaven, Kranke, Verbrecher etc., mit einem Brandmal versehen.

Auch heute wird die Bezeichnung „Stigma“ überwiegend als negatives Merkmal dargestellt. Somit ist die soziologische Bedeutung beispielsweise die Vorenthaltung der vollständigen sozialen Akzeptanz. Dies bedeutet, bestimmten Personen und Gruppen werden abwertende Merkmale durch große Teile der Gesellschaft zugeschrieben. Aller Aufklärung zum Trotz haben Menschen mit psychischen Erkrankungen auch heute noch mit den Folgen von Stigmatisierung zu kämpfen.

Wie oft hört man im alltäglichen Leben Sprüche wie zum Beispiel „Der (oder die) hat doch nicht alle Tassen im Schrank“, „Dem (oder der) fehlt doch ein Rad im Getriebe“, oder „Der (oder die) hat eine Schraube locker!“. Äußerungen, die leicht dahin gesagt sind, ohne über die Tragweite nachzudenken, welche Verletzung sie dem betroffenen Menschen zufügen kann. Die Aussage, die hinter diesen Worten steht, soll heißen, dass der Angesprochene als geistig krank bezeichnet wird.
Schon im frühen Mittelalter wurden Menschen, die unangepasst lebten, oder eine andere Weltanschauung vertraten, als hirnverbrannt, des Geistes gestört und oft auch verhext bezeichnet. Es wurde ihnen nachgesagt, „einen Vogel im Kopfe zu haben“. Wie gehen wir nun in der heutigen Zeit damit um? Haben solche Sprüche noch eine hochgradige Bedeutung für uns? Und die große Frage – fängt hier schon Stigmatisierung an?
Menschen mit psychischer Belastung passen trotz wichtiger Fortschritte nicht so recht in das Bild unserer Hochleistungsgesellschaft, in der die Medien die Bürger mit Tralala und einer perfiden Verdummungskultur hoch drei einzulullen versuchen. Sicher, vielerorts und auf einigen Gebieten findet bereits ein Umdenken, was Integration und Akzeptanz psychisch Kranker und behinderter Menschen betrifft, statt. Aber es ist noch ein langer Weg bis die gesamtgesellschaftliche Teilhabe der Betroffenen und ihrer Angehörigen in allen Lebensbereichen erreicht sein wird.

Pia Bauer
im Namen der Redaktion

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