Thulpe Ausgabe 30 – Besondere Menschen – andere Wege gehen

ThuLPE Ausgabe 30 - Besondere Menschen - andere Wege leben

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Vorwort

Besondere Menschen mit weniger Selbstzweifeln

Kennen Sie das auch? Sie öffnen in der Küche eine Schranktür, und es kommt Ihnen irgendetwas entgegengeflogen? Im besten Fall (leichte) Plastik-Dosen – was besonders bei Männern Aggressionspotential weckt. Nun ja, bei mir auch, weil solch kleine, scheinbar unbedeutende Ereignisse für mich jahrelang belastend, Grund zu Selbstzweifeln waren.
Ich assoziierte automatisch, also unbewusst: Mensch, keine Zeit zum Aufräumen, das hast Du blöde einsortiert, andere kriegen das doch auch hin, wieso sind die Henkel in meinem Tassenschrank kreuz und quer (ein befreundeter Philosoph war irritiert über diese Unordnung), bei anderen in absoluter Linie, die Henkel – in einer Richtung? Chaos bei mir.

Selbstbeschuldigungen, die kleinen Fingerzeige der kindlichen Straftaten aus der Vergangenheit, so lang ists her und sie kleben noch im Gedächtnis: mach dies nicht, Du machst das falsch, das kannst Du doch nicht, das habe ich gleich gewusst. Alles ist plötzlich mit dem freien Fall der Plastikdose auf dem Kopf wieder da – das ganze Unvermögen, die Hilflosigkeit, nie jemandem etwas Recht machen zu können. Das Drumherum, die Programmierung unserer Gedanken und Gefühle in unserem Kopf, alles (offensichtliche) Kleinigkeiten, die einem die Laune verderben können. Die mühsamen Erziehungsversuche unserer Eltern, die es auch nicht besser wussten.


„Besonderer Mensch – zurück ins Leben – „lautet der Titel unserer neuen ThuLPe. Ja, wir sind alle besondere Menschen, wenn wir durchs Leben gelangen, mit Höhen und Tiefen umgehen, umgehen lernen, aus den schlimmen Erfahrungen begreifen, anders zu handeln und zu denken und Rückgrat zu bilden, aufrechter und klarer durchs Leben zu gehen. Vielleicht erscheint es Ihnen belanglos, liebe Leser, aber als mir kürzlich (zum zweiten Mal) die Packung Beifuß (Gewürzkraut) auf den Kopf fiel beim Schranköffnen, schimpfte ich mich NICHT in Gedanken aus, bereitete mir selbst KEINEN Kummer mit Selbstanklagen meiner Unvollkommenheit. Was ich plötzlich, ohne nachzudenken, ganz spontan dachte?
Upps, toll, Beifuß, eigentlich könnte ich endlich mal die Bio-Ente meiner Schwester aus dem Eisfach holen und für meine Freunde ein lecker
Entlein in der Röhre braten. Merken Sie das?
Umdenken geht, in klitzekleinen Schrittchen, step by step, im Nachhinein freute ich mich wie bolle, ENDLICH, spontan!!! solche schönen
Gedanken, positive Gedanken, automatisch zu entwickeln. Jo, daran arbeite ich mal eben ein paar Jahrzehnte, ja, aber von nüscht kommt nüscht, pflegte meine bodenständige Oma Nelda, Bäuerin, aus Bothenheilingen stets zu sagen und bestellte sorgsam und voller Freude ihre Felder. Hat se recht, die Gute.


Und diesen Switsch aus dem Negativ-Strudel im Kopf – über Generationen hinweg, wenn man/frau Pech hat, Depressionen, Suizide (in meinem Stammbaum bis ins 17. Jahrhundert zurück recherchiert aus Kirchenbüchern) – bekommen Menschen hin, mit oder ohne Diagnose. Wenn sie es sich wert sind, wenn sie neugierig sind, wenn sie die Dunkelheit aus der Vergangenheit raus aus ihrem Leben haben wollen, die Schatten, die das Licht des Lebens erwürgen.


Ich bin dankbar, dass ich ein wenig weitergeben kann von meinen Erfahrungen, den ganz fiesen, die mein Verständnis zum Leben immer wieder neu formten und mehr am Leben teilhaben lassen, ich meine damit, Sinne für mich wiederentdeckte, Instinkte neu belebte – um in diesem Dschungel namens Leben mit meiner Machete einen Weg frei zu schaufeln, egal, wohin, nur nicht stehen bleiben und in Angst und Selbstmitleid und Kraftlosigkeit verkümmern. Das Leben ist besonders, wir Menschen machen es zu dem, wenn wir uns dazu entscheiden, unsere Besonderheiten zu entdecken, jeden Tag neu. (Und wenn wir es wieder einmal vergessen, sich BITTE, BITTE daran erinnern. Immer wieder.) Es ist so einfach, sehen wir uns selbst als besondere Menschen, so tun dies andere Menschen auch, biblisch gesehen, nicht meine Erfindung.


Mein Psychotherapeut, dem ich so gerne Glauben schenken wollte, ermutigte mich zu einem neuen Leben mit neuen Gedanken, neuen Gefühlen, einem neuen Strickmuster als Lebenskonzept, was ich damals einfach nicht konnte – zu viel Lernarbeit stand für mich noch an, ich konnte das nicht überblicken.


Eine schöne Zeit wünsche ich allen ThuLPE-Lesern (und Nicht-Lesern, Noch-Nicht-Lesern).
Marion Sommer im Namen des Redaktionsteams.

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