Wenn der Frühling kommt

Wiese mit blühenden Krokussen

von Hartmut Haker
Gerade in den letzten Tagen wünsche ich mir etwas mehr Freiheit in mein Leben zurück. Ich denke, viele Menschen hoffen auf bessere Zeiten. Mich erhellt dabei der Gedanke an den kommenden Frühling. In manchen Gesichtern um mich herum sehe ich die Worte „Es reicht!“. Ewig kann das nicht gehen mit all den Beschränkungen zum Schutz unserer Gesundheit.

Mit meinem Engagement für die Rechte der psychisch Erkrankten gehe ich unvermindert voran – mein Motto lautet „Steter Tropfen höhlt den Stein“. Manch einem mag es recht gleichförmig anmuten. Viele meiner Gedanken wiederhole ich in meinen Texten. Doch darum geht es beim Kampf gegen die Stigmatisierungen und dem Mutmachen. Wenn man etwas nicht wiederholt, dann passiert auch nichts. Wenn wir Betroffene nicht immer wieder dieses Thema aus der Ecke holen, wird kein Tabu gebrochen.

In meinem Umfeld spricht kaum einer über das Thema „psychische Erkrankung“. Obwohl so viele Menschen unter verschiedenen psychischen Störungen leiden, gerade unter dem Druck der jetzigen Krise, wird nicht offen damit umgegangen.

Seit über 20 Jahren, mitten in meinem Lebensweg, habe ich mich kontinuierlich in meinen Büchern,Theaterstücken, Artikeln und Lesungen damit beschäftigt. Und ich werde es weiterhin tun – damit etwas passiert in unserer Gesellschaft – bis Depressionen oder Schizophrenie als nichts anderes angesehen werden wie Diabetes oder Multiple Sklerose. Dass es endlich aufhört, diesen psychisch Erkrankten etwas anzudichten. Betroffene sind in keiner Weise labil oder unberechenbar. Sie können nichts dafür, dass gerade sie diese jeweilige Erkrankung zugestoßen ist. Es sollte jeder daran denken, dass jeder Mensch psychisch krank werden kann.

Auch wenn es manchmal mühsam ist neben meinem privaten Leben, plane ich in dieser Krisenzeit schon die nächsten Lesungen. Bei einer Kirchgemeinde in der Nähe oder einem Verein hier in der Stadt. Ich merke, dass von vielen Seiten großes Interesse besteht – viele wollen so wie ich etwas bewirken.

Und gerade bereiten ein Verlag und ich mein neues Buch vor. Darin geht es in verschiedenen Episoden um meine Beschäftigung mit den Themen „psychische Erkrankung“ und „Entstigmatisierung“ – verwoben mit meinem christlichen Glauben. In Kürze wird dieses Buch erscheinen.

Uns alle sollte der Gedanke des kommenden Frühlings beflügeln. Wir können uns mit dem Gedanken beruhigen, dass alle Menschen von dieser momentanen Krise betroffen sind. Schauen wir auf
die Menschen neben uns, die von verschiedenen Problemen betroffen sind – und dann sollten wir denen helfen.

Hartmut HakerRatzeburg, im Februar 2021

 

Der Ratzeburger Autor Hartmut Haker ist seit über 20 Jahren an einer schizo-affektiven Erkrankung erkrankt. Auch durch das Schreiben und Lesungen halten lebt er heute ein lebenswertes Leben mit Familie und Beruf. Seine schreibende Tätigkeit soll anderen Betroffenen nicht nur Mut machen, sondern auch aufklären und entstigmatisieren.

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